„Die Krankenkassen zahlen bald wieder für Brillen“

 

Derzeit überschlägt sich die Presse mit solchen oder ähnlichen Meldungen.

 
Wenn man sich dann die Headlines durchliest oder die (oft sehr kurz gehaltenen) Artikel, entsteht der Eindruck, dass zukünftig die Brille von der Krankenkasse voll bezahlt wird. Toll!

 

Ein kleiner Blick ins „Eingemachte“ lässt jedoch schnell Ernüchterung aufkommen:

Es werden lediglich Gläser mit „mehr als 6 Dioptrien“ bezuschusst – wenn eine Hornhautverkrümmung vorliegt, erfolgt der Zuschuss bereits „ab mindestens 4 Dioptrien“. So weit so gut!

 

Laut Zentralverband der Augenoptiker sind damit allerdings bereits mehr als 96 % aller Brillenträger raus aus dem Kassenzuschuss, weil ihre Sehschwäche für die Kassenleistung nicht ausreicht.

 

Aber für die restlichen 4 % übernimmt dann die Kasse die Kosten? – Weit gefehlt!
Aus der Pressemitteilung des Bundesministerium für Gesundheit vom 16.02.2017 ist zu entnehmen:
„… einen Anspruch auf Kostenübernahme in Höhe des vom GKV-Spitzenverband festgelegten Festbetrags bzw. des von ihrer Krankenkasse vereinbarten Vertragspreises.

 

Diese „Festbeträge“ belaufen sich zum Beispiel beim GKV-Spitzenverband in der Festsetzung der Festbeträge vom 03.12.2007 für

 ·         mineralische Einstärken-Gläser ab 6 dpt. auf 10,--€ pro Glas und für

 ·         mineralische Einstärken-Gläser ab 4 dpt Hornhautverkrümmung auf 14,43 € pro Glas.

 

Somit relativiert sich die „groß angelegte Kostenerstattung für Sehhilfen“ ganz schnell auf einen „Tropfen auf den heißen Stein“.

 

Für manch einen Brillenträger wird auch dieser Zuschuss eine willkommene und notwendige Unterstützung sein, jedoch sollte man sich Gedanken machen, ob dieser - bereits schon einmal begrabene - Kostenapparat mit enormen Verwaltungsaufwand gerechtfertigt ist.